Was ist Kinesiologie? Alles nur Hokuspokus?

Vom Wortstamm her bedeutet Kinesiologie „Lehre der Bewegung“. Aber mit Bewegung im Sinne von Sport hat Kinesiologie nichts zu tun, sondern eher mit Bewegung in uns drin.

Eine Grundannahme in der Kinesiologie ist, dass alles mit allem zusammenhängt. Auf uns Menschen bezogen bedeutet das also, dass unser Körper, unser Geist und unsere Seele zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen.

Im Alltag vergessen wir das manchmal vielleicht, wir sprechen oft nur von unserem Körper. Trotzdem kennen wir alle Situationen, wo diese Verbindung Körper-Geist-Seele für jeden offensichtlich ist:

  • Wenn wir in einer emotionalen Situation sind, bekommen wir manchmal Gänsehaut.
  • Wenn wir verliebt sind, grummelt unser Bauch – wir haben Schmetterlinge im Bauch.
  • Wenn uns warum auch immer negative Gedanken (Geist) heimsuchen, bekommen wir Angst (Seele) und unser Körper reagiert mit Herzklopfen oder mit Schweißausbrüchen.
  • Wenn wir einen Schreck bekommen, dann „werden unsere Knie weich“ (eigentlich verlieren unsere Muskeln kurzzeitig ihre Spannung). 

Letztere Körperreaktion machen sich Kinesiologen zu Nutze, indem Sie mit dem sogenannten Muskeltest arbeiten. In den 60er Jahren fanden amerikanische Chiropraktiker heraus, dass unsere Muskeln auf bestimmte Reize (verbal oder körperlich) mit einem kurzzeitigen Verlust ihrer natürlichen Spannung reagieren. Daraus entwickelte sich ein Biofeedbackverfahren mittels Muskeltest. Der Kinesiologe stellt dem Klienten Fragen oder berührt bestimmte Punkte am Körper und testet die Muskelspannung. Behält der Muskel seine Spannung, dann ist das Klientensystem in der Lage, mit dem Reiz adäquat umzugehen. Verliert der Muskel für einen Moment seine Spannung, so ist das ein Zeichen dafür, dass das System des Klienten mit diesem Reiz Stress hat.

Der Kinesiologe ist somit in der Lage, auch mit dem Unterbewusstsein des Klienten zu kommunizieren. Dabei wird aber nichts heimlich gemacht, jede Frage oder Aussage wird offen gestellt und erklärt.

Wenn man also über den Muskeltest die stressauslösenden Aspekte des Themas, weswegen der Klient den Kinesiologen aufgesucht hat, identifiziert hat, dann ist das Ziel, wieder Harmonie und Gleichgewicht im System des Klienten herzustellen. Wir balancieren. Deshalb spricht man bei einer kinesiologischen Sitzung auch oft davon, „eine Balance zu machen“.
Denn vieles, wenn nicht sogar alles in unserem Leben, bewegt sich zwischen zwei Polen, wie bei einer Batterie zwischen „Plus“ und „Minus“. Und weder „Plus“ noch „Minus“ sind gut oder schlecht, beide sind notwendig. Hier ein paar Beispiele:

  • Langeweile und Stress
  • Regen und Sonne
  • Tag und Nacht
  • Kontrolle und Loslassen
  • Logik und Kreativität
  • Stärke und Schwäche

Wenn wir uns immer nur an einem der beiden Pole bewegen, kann uns das auf Dauer krank machen. Aber ein Gleichgewicht zwischen den Extremen kann der Weg zu seelischer und körperlicher Gesundheit sein. Man kann sich durchaus gewisse Zeit in dem einen Extrem aufhalten, aber dann sollte es auch wieder Zeiten geben, die dazu einen Ausgleich schaffen.

Blockaden und Störungen im System des Klienten kann man u.a. gut mit dem Straßenverkehr vergleichen:

  • Die Infrastruktur, die Autobahnen, Straßen, Brücken usw. entsprechen unserem Körper.
  • Die PKW entsprechen unserer Energie.
  • Die LKW entsprechen unserem täglichen Stress.
  • Die Verkehrszeichen und Ampeln entsprechen unseren Gefühlen und Gedanken.
  • Die Landschaft drum rum, das Geländeprofil, Berge und Täler usw. entsprechen den Herausforderungen unseres Lebens.

Wenn bei uns selbst alles im Fluss ist, wir gesund sind, wir mit allen Herausforderungen des Leben spielend umgehen können, dann ist das wie der Straßenverkehr ohne Staus, ohne Unfälle, ohne Baustellen. Alles fließt. Auch wenn ein Gedanke „eine Ampel mal auf Rot umschalten lässt“, dann macht man mal einen kurzen Stopp, aber dann geht es weiter. Es gibt durch Verkehrsschilder oder Umleitungen immer mal kleine Unterbrechungen oder man muss mal langsamer fahren, aber im großen und ganzen läuft alles ohne größere Störungen.  

Aber nun kommt eine Zeit, wo der Stress so zunimmt, dass er dauerhaft zur Belastung wird. In unserem Verkehrsbild wären jetzt viel mehr LKW auf der Straße. Die PKW (unsere Energie) müssen langsamer fahren. Wir sind genervt und unkonzentriert. Es kommt zum Stau oder sogar zu einem Unfall (=Blockaden). Da fließt im Straßenverkehr nichts mehr und auch in unserem Körper nicht. Wir fangen an, Umleitungen zu nehmen, aber auch das kostet Kraft und Energie und geht nicht ewig gut.

Oder alle Ampeln stehen auf rot (=wir drehen uns in einem negativen Gedankenkarussell), auch dann kommt es zu Stillstand.

Wenn die Straßen auf lange Sicht völlig überlastet sind, gibt es Schlaglöcher auf der Straße und im Extremfall stürzt auch mal eine Brücke ein. Unser Körper wird richtig krank. Und es dauert, ehe Straßen wieder repariert oder die Brücke wieder aufgebaut ist.  

Wie oben schon beschrieben, ist es das Ziel einer kinesiologischen Sitzung, die Balance wieder herzustellen. Um bei der Metapher des Straßenverkehrs zu bleiben, würde das bedeuten:

  • Impulse in das System geben, so dass die Ampelschaltungen bedarfsgerecht wieder funktionieren und der Verkehr wieder fließt
  • die Selbstregulation in Bewegung bringen, so dass wir mit dem anfallenden Verkehrsaufkommen gut zurecht kommen
  • Staus auflösen
  • Ausweichstecken oder Umgehungsstraßen bauen (= andere Verhaltensweisen erlernen)
  • den Energiefluss so zu stärken, dass wir in der Lage sind, auch Straßen zu reparieren und Brücken wieder aufzubauen

Wie das im einzelnen geschieht, hängt von der verwendeten kinesiologischen Methode ab, die jeweils angewendet wird.

Aber dank des Muskeltests kann immer ausgetestet werden, welche Methode die für das vorliegende Problem jeweils die Passendste ist. 

 
 
 
 
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